Dem Leben trauen

Glaube ist Wissen des Herzens, das keines Nachweises bedarf. (Khalil Gibran)

Der Berg ruft 3. August 2009

Gespeichert unter: Ausflüge — Evi @ 00:23

Endlich! Meine erste Bergtour dieses Jahr, der hoffentlich noch einige andere folgen werden. Ich habe mich schon den ganzen Freitag wie ein kleines Kind auf den Samstag gefreut.

In einem Buch habe ich eine Tour gefunden, die mir gefallen hat: Vom Walchensee zum Herzogstand hinauf, dann rüber zum Heimgarten und von da wieder zum Walchensee zurück. Laut Buch waren 6 Stunden zu veranschlagen. Mit Gunther und Maria, die ganz kurzentschlossen mitkam, sind wir um 10 Uhr losmarschiert. Bis zum Herzogstandhaus etwas unterhalb des Gipfels gehen wir auf einem schönen Waldweg (was angesichts seiner Südlage sehr angenehm ist), der uns immer wieder tolle Blicke auf den Walchensee eröffnet:

Walchensee

Da es auch eine Seilbahn zum Herzogstand gibt, ist hier oben recht viel los. Nach einer Rast schließen wir uns dem Strom der Wanderer an und gehen zum Gipfel (1731 m) hoch. Der Ausblick ist trotz des etwas dunstigen Wetters phänomenal: links der Kochelsee, rechts der Walchensee und in der Mitte die Benediktenwand (und Gunthers Hinterkopf :-) ). Außerdem ist unterhalb des Kochelsees das Walchenseekraftwerk zu sehen.

Herzogstand

Wir sind stolz auf unseren ersten Gipfelsturm, sogar in der im Buch angegebenen Zeit ;-) und genießen die Aussicht.

Evi und Gunther

Die nächste Passage zum Heimgarten sei „etwas ausgesetzt“, sagt das Buch. Was auf Deutsch heißt: Es geht auf einem Grat auf und ab, man muss einen schmalen Felsweg runterkraxeln, hochkraxeln, runterkraxeln, hochkraxeln usw. Ist anstrengend, aber macht Spaß. Auf einem kleinen, namenlosen Zwischengipfel genießen wir noch einmal den Blick über die Ebene und bekommen sogar noch einen Rettungseinsatz per Hubschrauber mit, weil sich ein Mann beim Kraxeln verletzt hatte. Nachdem er vom Sanitäter versorgt wurde, durfte er sich ans Seil hängen und wurde über die Winde in den Hubschrauber gezogen. Sehr interessant, das mal zu sehen, aber auch nur, wenn es einen nix angeht.

Blick auf den Kochelsee

Blick auf den Kochelsee

Der Grat zwischen Herzogstand und Heimgarten

Der Grat zwischen Herzogstand (hinten) und Heimgarten

Das letzte Stück zum Heimgarten hoch ist sehr steil, wir merken langsam jeden Muskel, aber uns motiviert die Aussicht auf eine Erfrischung in der Heimgartenhütte. Erschöpft, aber immer noch frohen Mutes erreichen wir sie und sind stolz auch den zweiten Gipfel (1790 m) erklommen zu haben. Wir stärken uns und machen uns danach an den Abstieg, der stellenweise ziemlich bergauf geht. Aber er verläuft größtenteils im Wald. Wir sind schon ziemlich k.o., doch der Walchensee kommt immer näher und wir freuen uns schon auf ein erfrischendes Bad darin. Wir werden auf unserem Rückweg im Ort Walchensee von einem Herrn ob unserer Heldentat, diese Tour zu gehen, bewundert. Was soll ich sagen: Er hat recht! Wir sind Helden! Zwar sehr müde Helden auf wackligen Knien, weil wir mit dieser Tour doch an unsere Grenzen gegangen sind. Aber das muss auch mal sein und außerdem geht es meinem Rücken entschieden besser – der Schmerz hat sich in die Beine verlagert. ;) Unsere Heldentat krönen wir mit einem kurzen Bad im sehr kalten Walchensee, das unsere Geister wieder belebt.

Fazit: Wer eine gute Kondtion hat und etwas Kraxelei nicht scheut, dem sei diese Tour empfohlen. Sie ist allerdings nicht unbedingt einsam. Die Mühen werden mit tollen Ausblicken nach allen Richtungen belohnt. Mit Pausen waren wir 8 Stunden unterwegs.