Dem Leben trauen

Glaube ist Wissen des Herzens, das keines Nachweises bedarf. (Khalil Gibran)

Der große Graben 29. März 2009

Gespeichert unter: Philosophisches — Evi @ 15:57

teichIm Freundeskreis, in der Familie und ja auch bei mir selbst erlebe ich zur Zeit sehr starke Umbrüche. Oder war das schon immer so und mir ist es bisher nie so deutlich aufgefallen? Die einen fangen eine neue Arbeit an und müssen ihr Familienleben neu sortieren, die anderen suchen Arbeit, weil sie mit ihrer jetzigen nicht zufrieden sind. Da ist ein Mensch, der spürt, dass sich was ändern wird, ohne im Moment genau zu wissen was und ein anderer, dem ein wichtiger Teil seines bisherigen Lebens wegzubrechen droht.

Solche Umbrüche zwingen uns umzudenken, unserem Leben eine neue Richtung zu geben und sie zwingen uns loszulassen. Die Reaktion darauf ist oft Angst oder Hilflosigkeit, unabhängig davon ob die Änderung unsere eigene Entscheidung war oder uns aufgezwungen wurde. Es ist als ob man vor einem großen Graben steht und genau weiß, dass man nun springen muss, aber man traut sich nicht. Wer weiß, ob ich es bis zum anderen Ufer schaffe? Reicht meine Kraft dafür? Geht der Weg auf der anderen Seite überhaupt weiter? Lasse ich nicht zuviel zurück?

Fragen, die lähmen können, die uns auf der Stelle treten lassen. Ja, man braucht Mut den Sprung zu wagen. Aber wir können uns sicher sein, dass wir ihn nicht allein wagen müssen. Es gibt immer Menschen um uns herum, die uns springen helfen oder sogar eine Brücke bauen oder wenigstens ein Seil spannen über das wir gehen können. Vielleicht etwas wacklig und unsicher, aber sie halten es sicher. Es kommt darauf an, dass wir ihnen vertrauen und noch viel mehr, dass ich mir selbst vertraue. In jedem von euch steckt so viel Kraft, vertraut darauf!

So viel Kraft wie in dem Weizenkorn, von dem im heutigen Evangelium die Rede war. Es ist klein und unscheinbar, doch wenn es in die Erde gelegt wird, keimt es auf, durchbricht sogar die Erde und bringt viel mehr Weizenkörner hervor. Jesus sagt, dass es sterben muss, um reiche Frucht zu bringen. Ja, ich will nicht leugnen, dass ein solcher Sprung an das andere Ufer ein Abschied ist und etwas stirbt. Man muss das Alte loslassen. Aber nur das Loslassen macht es uns möglich, Neues in die Hand zu nehmen, frei zu sein. Unbeschwert im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit zu viel Gepäck auf dem Rücken ist es noch schwerer zu springen.

Ich wünsche allen, die vor wichtigen Entscheidungen stehen, die noch zögern, die enttäuscht sind und an sich zweifeln, Mut für den nächsten Schritt, Vertrauen in eure innere Kraft und liebe Menschen, die euch begleiten!


Ich verstehe das Loslassen übrigens nicht nur als Wegwerfen, sondern viel mehr als ein genaues Sortieren, was für mein Leben wichtig ist. Das, was ich nicht mehr brauche, kann ich in Schachteln packen und wegstellen oder auch endgültig wegwerfen. Eine gute praktische Übung für das  Aufräumen im Leben ist ein Umzug in eine kleinere Wohnung … Sehr wohl anstrengend, aber ungemein befreiend!