Dem Leben trauen

Glaube ist Wissen des Herzens, das keines Nachweises bedarf. (Khalil Gibran)

Philosophie und Hollywood 6. Oktober 2009

Gespeichert unter: Studium — Evi @ 10:14

Was hat die Philosophie des Mittelalters mit einem amerikanischen Film aus dem Jahr 2004 gemeinsam? Genauer gesagt mit dem Film „Vergiss mein nicht!“. Die Antwort auf diese spannende Frage ist folgende:

Von 1079 bis 1142 lebte der Philosoph Petrus Abaelard, der ein streitbarer Zeitgenosse war. Um 1113 begann er Theologie zu studieren. Die Vorlesungen genügten aber nicht seinen Ansprüchen und er begann selbst Vorlesungen zu halten – mit großem Erfolg. In dieser Zeit verliebte er sich in Heloise, was nicht ohne Folgen blieb: 1118 wurde ihr gemeinsamer Sohn Astrolabius geboren. Der Onkel von Heloise fühlte sich von Abaelard hintergangen und ließ ihn entmannen! Daraufhin drängte Abaelard Heloise in ein Kloster zu gehen (wo sie später sogar Priorin wurde). Er selbst nahm seine durch diese Affäre unterbrochenen wissenschaftlichen Studien wieder auf. Die, nebenbei bemerkt, immer wieder aneckten und zu seiner zeitweiligen Verurteilung als Häretiker führten. Später wurde er Abt eines Klosters in der Bretagne und er schenkte in dieser Funktion den Nonnen von Argenteuil, dessen Priorin Heloise war, das Oratorium von Paraklet und übernahm deren geistliche Begleitung …

Wer nun meinen Artikel über den Film aufmerksam gelesen hat wird den Zusammenhang schnell erkannt haben. ;-) Das Gedicht „Eloisa to Abelard“ von Alexander Pope ist eine wunderschöne, herzzerreißende Liebeserklärung an die unerfüllte Liebe der Heloise an Abaelard (*seufz*) – und eine Zeile daraus ist der Original-Titel des Films!

Man lernt im Theologiestudium manchmal auch ungeahnte Zusammenhänge kennen …

 

Wiesn-Ausreißer 25. September 2009

Gespeichert unter: Allgemein — Evi @ 18:52

So nannten die Kollegen den in München um die Zeit meist üblichen Ausflug auf das allseits bekannte Volksfest. Eine schöne Tradition, die von den meisten sogar in Dirndl und Lederhose gepflegt wird. Ich kam mir in meinem normalen Jeans-und-Bluse-Outfit völlig underdressed vor. Also – ein Dirndl muss her! Wenn ich eins gefunden habe, das meinen Ansprüchen, optischer und finanzieller Art, genügt, werde ich es hier vorstellen. Seit ich wieder zurück in Bayern bin habe ich eine ganz andere, positive Einstellung zu solchen Dingen. Tradition ist etwas schönes und wichtiges, sie ist schließlich Teil der Kultur und auch der eigenen Identität. Ich fand es auch sehr schön, dass zum Beispiel bei der Fronleichnamsprozession viele Menschen auch in Tracht kamen. Als Ausdruck des besondern Tages – wie auch ein Wiesn-Besuch. :-)

Äußerst wohltuend fand ich gestern auch die gute gute Stimmung, die in der Firma allgemein herrscht. Und das lag nicht nur daran, dass die Chefs das Essen und Trinken gezahlt haben (auch sehr selten heutzutage)! Trotz der Krise in der Automobilbranche, an der die Firma zum Teil hängt, wird hier zuversichtlich in die Zukunft gesehen. Eine schöne Abwechslung …

Und das Beste: Ich darf mir Hoffnung machen, dort längerfristig zu arbeiten, meine Chefs waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Wäre genial, wenn das klappen würde!

 

Semesterferien 24. September 2009

Gespeichert unter: Allgemein — Evi @ 00:12

Bevor die ersten Vermisstenmeldungen eingehen, will ich doch mal wieder erzählen, was in den letzten Wochen alles los war.

Ich freue mich auf den Semesterbeginn am 19 . Oktober und wiederhole schon fleißig Griechisch. Heute war ich bei der Studienberaterin und habe ihr mein Leid geklagt, dass es dieses Semester schon wieder nicht klappt in eine Philosophie-Vorlesung zu gehen. Die eine, die angeboten wird, findet wieder einmal parallel zu Griechisch statt. Eine Professur ist dort vakant und so kann nur ein abgespecktes Programm angeboten werden. Nur soll ich bis zum Vordiplom auf insgesamt 16 Semesterwochenstunden kommen. Was so schlicht unmöglich ist. Also werde ich nächste Woche zum Professor gehen und mal fragen, welche Lösung er denn dafür sieht und ich werde wohl auch den Studiendekan auf das Problem aufmerksam machen. Schließlich bin ich ja nicht die einzige! Was mich dabei tierisch ärgert, ist die Tatsache, dass ich Studiengebühren zahle und mir dann Bücher ausleihen muss, um mal wenigstens ein bisschen Ahnung davon zu bekommen. Und Bücher über die Philosophie lesen sich nicht unbedingt leicht. Naja, bin ja mal gespannt, was dabei rauskommt.

Die letzten vier Wochen habe ich auch mal wieder gearbeitet und etwas Geld verdient. Bei einer Unternehmensberatungsfirma habe ich für BMW Lastenhefte geprüft bzw. die Prüfung derselbigen geprüft. Schon interessant, mal ein bisschen in das Unternehmen BMW reinzuschnuppern. Ist zwar überhaupt nicht meine Welt, weil ich keine Ahnung von Autos habe und mich nicht mehr dafür interessiere als für ein Bügeleisen, aber ich bin schon fasziniert, aus wievielen Bauteilen so ein Auto besteht und was da alles drinsteckt. So viel Ingenieurin bin ich dann doch! Heute habe ich von einem ehemaligen Studienkollegen, der bei BMW arbeitet, eine kleine Führung bekommen und bin im Dienstwagen des Abteilungsleiters der Entwicklung (glaube ich) gesessen. In einem nagelneuen 5er GT (über den angeblich zur Zeit jeder spricht und von dem ich noch nie was gehört habe…). Sehr schick und geräumig. Und sehr teuer.

In einem weniger schicken und geräumigen, aber deutlich billigeren Auto war ich Anfang August mit Gunther ein paar Tage an der Côte d’Azur. Ein sehr schönes Fleckchen Erde, um die Zeit zwar etwas überlaufen und sehr heiß, aber kulturell äußerst interessant. Am schönsten fand ich das Schnorcheln auf der Halbinsel Giens. Ich habe das noch nie gemacht und so hat sich mir eine völlig neue Welt erschlossen. Wer bei den Lokalisten ist, kann sich ja mal ein paar Bilder ansehen. Ein kleiner Vorgeschmack:

Unsere Lieblingsbucht

Unsere Lieblingsbucht in Giens

Stimmungsvoller Sonnenuntergang in Giens

Stimmungsvoller Sonnenuntergang in Giens

Ab November werde ich mir auch noch andere Welten erschließen: Gunther hat nämlich (relativ sicher) eine Stelle in Eschweiler, nahe seiner Heimat Aachen, gefunden. Und das heißt für uns Fernbeziehung. Meine Begeisterung hält sich ob dieser Umstände in Grenzen, doch da müssen wir jetzt wohl durch. Wenigstens komme ich dann mal wieder nach Aachen, wo ich zuletzt (und bislang das einzige Mal) vor etwa 30 Jahren war und meine damalige Brieffreundin besucht hatte.

Mein kleiner, oh ich sollte besser korrigieren auf „jüngster“ (er ist nämlich nicht mehr klein mit seinen fast 6 Jahren, jawoll!), Neffe geht seit letzter Woche zur Schule. Mit mäßiger Begeisterung, vorsichtig ausgedrückt. Die Einschulungsfeier fand er ja ganz toll, vor allem die Hot Wheels und den LKW, die er geschenkt bekam, aber das dicke Ende kam letzten Dienstag … Er wird sich schon noch dran gewöhnen – und die Eltern auch!

Ja, es gibt immer wieder Veränderungen im Leben, an die wir uns gewöhnen müssen oder manchmal auch dürfen. Doch ohne die wäre es ziemlich eintönig und vorhersehbar. Oder wie der Engländer zu sagen pflegt: Variety is the spice of life.

 

Romeo und Julia 21. August 2009

Gespeichert unter: Allgemein — Evi @ 11:44

Ein kulturelles Highlight kündigt sich für den Herbst an, das ich unbesehen empfehle. Nicht nur, weil meine nahe und nähere Verwandtschaft daran wesentlich beteiligt ist. ;-) Ich freue mich drauf!

Trailer unter:

http://www.youtube.com/watch?v=ulcG4KngDSI

 

Der Berg ruft 3. August 2009

Gespeichert unter: Ausflüge — Evi @ 00:23

Endlich! Meine erste Bergtour dieses Jahr, der hoffentlich noch einige andere folgen werden. Ich habe mich schon den ganzen Freitag wie ein kleines Kind auf den Samstag gefreut.

In einem Buch habe ich eine Tour gefunden, die mir gefallen hat: Vom Walchensee zum Herzogstand hinauf, dann rüber zum Heimgarten und von da wieder zum Walchensee zurück. Laut Buch waren 6 Stunden zu veranschlagen. Mit Gunther und Maria, die ganz kurzentschlossen mitkam, sind wir um 10 Uhr losmarschiert. Bis zum Herzogstandhaus etwas unterhalb des Gipfels gehen wir auf einem schönen Waldweg (was angesichts seiner Südlage sehr angenehm ist), der uns immer wieder tolle Blicke auf den Walchensee eröffnet:

Walchensee

Da es auch eine Seilbahn zum Herzogstand gibt, ist hier oben recht viel los. Nach einer Rast schließen wir uns dem Strom der Wanderer an und gehen zum Gipfel (1731 m) hoch. Der Ausblick ist trotz des etwas dunstigen Wetters phänomenal: links der Kochelsee, rechts der Walchensee und in der Mitte die Benediktenwand (und Gunthers Hinterkopf :-) ). Außerdem ist unterhalb des Kochelsees das Walchenseekraftwerk zu sehen.

Herzogstand

Wir sind stolz auf unseren ersten Gipfelsturm, sogar in der im Buch angegebenen Zeit ;-) und genießen die Aussicht.

Evi und Gunther

Die nächste Passage zum Heimgarten sei „etwas ausgesetzt“, sagt das Buch. Was auf Deutsch heißt: Es geht auf einem Grat auf und ab, man muss einen schmalen Felsweg runterkraxeln, hochkraxeln, runterkraxeln, hochkraxeln usw. Ist anstrengend, aber macht Spaß. Auf einem kleinen, namenlosen Zwischengipfel genießen wir noch einmal den Blick über die Ebene und bekommen sogar noch einen Rettungseinsatz per Hubschrauber mit, weil sich ein Mann beim Kraxeln verletzt hatte. Nachdem er vom Sanitäter versorgt wurde, durfte er sich ans Seil hängen und wurde über die Winde in den Hubschrauber gezogen. Sehr interessant, das mal zu sehen, aber auch nur, wenn es einen nix angeht.

Blick auf den Kochelsee

Blick auf den Kochelsee

Der Grat zwischen Herzogstand und Heimgarten

Der Grat zwischen Herzogstand (hinten) und Heimgarten

Das letzte Stück zum Heimgarten hoch ist sehr steil, wir merken langsam jeden Muskel, aber uns motiviert die Aussicht auf eine Erfrischung in der Heimgartenhütte. Erschöpft, aber immer noch frohen Mutes erreichen wir sie und sind stolz auch den zweiten Gipfel (1790 m) erklommen zu haben. Wir stärken uns und machen uns danach an den Abstieg, der stellenweise ziemlich bergauf geht. Aber er verläuft größtenteils im Wald. Wir sind schon ziemlich k.o., doch der Walchensee kommt immer näher und wir freuen uns schon auf ein erfrischendes Bad darin. Wir werden auf unserem Rückweg im Ort Walchensee von einem Herrn ob unserer Heldentat, diese Tour zu gehen, bewundert. Was soll ich sagen: Er hat recht! Wir sind Helden! Zwar sehr müde Helden auf wackligen Knien, weil wir mit dieser Tour doch an unsere Grenzen gegangen sind. Aber das muss auch mal sein und außerdem geht es meinem Rücken entschieden besser – der Schmerz hat sich in die Beine verlagert. ;) Unsere Heldentat krönen wir mit einem kurzen Bad im sehr kalten Walchensee, das unsere Geister wieder belebt.

Fazit: Wer eine gute Kondtion hat und etwas Kraxelei nicht scheut, dem sei diese Tour empfohlen. Sie ist allerdings nicht unbedingt einsam. Die Mühen werden mit tollen Ausblicken nach allen Richtungen belohnt. Mit Pausen waren wir 8 Stunden unterwegs.